Herausforderndes Verhalten? Wie die Nervensystem-Brille entlastet
Warum wir in Kitas und Schulen mehr über das Nervensystem sprechen sollten
„Warum haben wir davon in den Einrichtungen noch nie etwas gehört?“ – diese Frage kam in meiner letzten Fortbildung immer wieder.
Sie zeigt deutlich, wie groß die Lücke zwischen wissenschaftlichem Wissen und pädagogischem Alltag ist.
Denn obwohl das autonome Nervensystem maßgeblich unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst – bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen – spielt es in der Ausbildung von Fachkräften bislang kaum eine Rolle.
Verhalten verstehen statt verurteilen
Im Alltag von Kitas, Schulen und Horten erleben Fachkräfte täglich Kinder, deren Verhalten als „auffällig“ oder „herausfordernd“ beschrieben wird:
- Wutanfälle, die scheinbar aus dem Nichts entstehen
- Kinder, die sich zurückziehen und „nicht erreichbar“ wirken
- plötzliche Aggressionen oder Verweigerung
Wenn wir Verhalten nur an der Oberfläche betrachten, bleibt oft nur die Zuschreibung: „Das Kind ist schwierig“.
Doch unter der Oberfläche läuft etwas viel Tieferes ab: das Nervensystem entscheidet, ob ein Kind gerade in der Lage ist, zu lernen, in Beziehung zu gehen oder Gefühle zu regulieren.
Die Nervensystem-Brille
Hier setzt mein Ansatz an: Verhalten durch die Nervensystem-Brille zu verstehen.
Das bedeutet:
- Erkennen, welche Stresswellen gerade wirksam sind
- Verstehen, wann Lernen und Beziehung überhaupt möglich sind
- Wissen, wie wir als Fachkräfte regulierend wirken können
Dieses Wissen ist nicht kompliziert oder „zu wissenschaftlich“ für den pädagogischen Alltag – im Gegenteil. Es eröffnet neue Handlungsspielräume, die entlastend wirken und Beziehung stärken.
Deeskalation beginnt früher
In meinen Fortbildungen erleben Fachkräfte, wie sich ihr Blick verändert:
- Plötzlich geht es nicht mehr darum, auffälliges Verhalten zu unterdrücken oder zu bestrafen, sondern darum, Kinder frühzeitig zu begleiten, bevor Stress überhaupt eskalieren muss.
- Das bedeutet nicht, allen Kindern jedes Hindernis aus dem Weg zu räumen.
Es bedeutet:
- beziehungs- und grenzbewusst begleiten,
- Emotionen wie Wut oder Angst früh wahrnehmen,
- das „Fahrwasser“ der Emotionswellen immer wieder absenken, sodass sie gar nicht erst gefährlich hochschlagen müssen.
Ein Gewinn für Kinder und Fachkräfte
Der Perspektivwechsel über das Nervensystem bringt nicht nur den Kindern Vorteile.
Auch Fachkräfte berichten nach meinen Fortbildungen:
- Sie fühlen sich weniger ausgeliefert.
- Sie verstehen ihr eigenes Stresserleben besser.
- Sie können ihren pädagogischen Alltag ruhiger, klarer und wirksamer gestalten.
Am Ende steht nicht nur weniger „auffälliges Verhalten“ – sondern mehr Beziehung, Entlastung und Freude am gemeinsamen Alltag.
Fazit
„Eskalierendem Verhalten deeskalierend begegnen“ beginnt nicht im Krisenmoment, sondern viel früher:
➡️ Dort, wo wir Kindern (und uns selbst) Räume geben, Gefühle wahrzunehmen, zu regulieren und in Beziehung zu treten.
Ich bin überzeugt: Wenn wir das autonome Nervensystem in Kitas und Schulen endlich in den Fokus rücken, kann das den pädagogischen Alltag revolutionieren.
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